Erster Bericht aus Ein el-Hilweh

Sumud-Teilnehmer

Im ersten Bericht über die Ankunft der TeilnehmerInnen aus Rom geht es um die Einreise in das Flüchtlingslager, erste Aktivitäten und Treffen mit Palästinensern.

25.07.2010

Hallo, ich hoffe es geht euch so gut wie uns. Leider ist es nicht leicht Nachrichten aus dem „Sumud Zentrum“ zu schicken, da die Internet-Verbindung schlecht ist und der Mann, der den Provider betreute verhaftet wurde. Wir hoffen, dass die Probleme bald gelöst sind und unsere Freunde von Nashet zu einem anderen Provider, der hier in Ein eine Verbindung anbietet wechseln können.

Abgesehen von diesem Problem verlaufen unsere Tage nach Plan. Wir sind erst vor drei Tagen angekommen und wurden sehr gut aufgenommen.

Am 22.7. sind wir früh morgens von Rom aufgebrochen. Gegen 4:00 Früh kamen wir in Beirut an. Dort wurden wir von unseren Freunden von Nashet abgeholt und nach Saida begleitet.

Wir fürchteten nicht nach Ein einreisen zu können, da die Libanesische Behörde bei der Kontrolle unserer Pässe auf Probleme hinwies, obwohl wir ihnen Kopien unserer Pässe bereits vor einem Monat zugesandt hatten. Zafer (Nashet) führte uns ins Büro der nasseristischen Volksbewegung, um mit Osama Saad zu sprechen, dem Leiter der Bewegung, da er hoffte dieser könnte für uns intervenieren und die Überprüfung der Dokumente beschleunigen. Osama Saad war unterwegs, aber er wollte uns am folgenden Tag treffen. Kurz danach wurden jedoch unsere Dokumente augestellt und wir beeilten uns zum Checkpoint zu kommen. Unter den Blicken der libanesischen Soldaten passierten wir die Grenze wischen Saida und Ein el Hilweh.

Müde kamen wir im Lager an. Wir besprachen einige organisatorische Aspekte unseres Aufenthalts (welcher Raum als Schlafraum genutzt werden soll, die Verwendung des einzigen Badezimmers,…). Außerdem erklärten wir den neuen TeilnehmerInnen der Brigade einige Grundregeln des Aufenthalts.

Vor dem Abendessen zeigten uns unsere Freunde von Nashet ein Video welcher anlässlich der Präsentation eines Buches, das von einigen jungen Leuten des Lagers geschrieben wurde, palästinischen AktivstInnen im Libanon gezeigt wurde. Der Film war ein zweimonatiges politisch-kulturelles Projekt von Nashet. Wissam, einer der Jugendaktivisten von Nashet erklärkte, dass solche Veranstaltungen wichtig sind, da sie den älteren AktivistInnen der palästinensischen Bewegung neu Perspektiven der Arbeit mit Jugendlichen zeigten und die palästinensische Kultur stärken. Durch den Abschluss des Projekts war es ihnen auch möglich einen neuen Dialog zu Fatah – in Person des palästinensischen Botschafters in Beirut – aufzubauen.

Am 25.7. wurden wir erstmals durch das Lager geführt um die Umgebung kennen zu lernen und Essen zu kaufen: begleitet von dem Journalisten Nawal Assadi gingen wir durch laute, überfüllte Gassen. Nawal Assid lud alle BrigadeteilnehmerInnen zum Mitagessen ein.

Am Abend, nach der Ankunft der ersten Freiwilligen aus Österreich (weitere werden morgen Früh eintreffen) führte und Zafer nochmals durch das Lager: Wir kamen am Spital vorbei, an einigen Moscheen und kulturellen Zentren und gingen bis zum PFLP-Zentrum. Wir wurden zu unserem ersten, informellen politischen Treffen mit dem lokalen PFLP Repräsentanten Abdullah Dannan erwartet. Er dankte uns für die Fortsetzung der SUMUD-Initative, für die politische Unterstützung und die materielle Hilfe. Er informierte uns über die Aktivitäten der PFLP im Lager und nahm auch auf deren Zusammenarbeit mit anderen politischen Gruppen, und zu deren Verhältnis zu Hamas und Hisbollah Bezug. Er betonte, dass trotz der ideologischen Differenzen das Verhältnis zu den islamischen Kräften – insbesondere zur Hisbollah – positiv ist.

Auch wenn unsere Arbeit offiziell noch nicht begonnen hat, begannen wir sofort nach unserer Ankunft, Menschen zu treffen, Ideen zu besprechen und Dokumente zu verfassen, während Enrico versuchte in Saida und Sour die notwendigen Computerteile zu besorgen.

Jetzt warten wir alle – EuropäerInnen und PalästinenserInnen – auf den Dokumenationsleiter Arab Lofti um unsere ofizielle Arbeit zu beginnen.